Combichrist live in München

Wenn sich an diesem Donnerstag Abend im Backstage Werk in München umsieht, wirkt man zuerst etwas verwundert wegen der teils sogar recht bunten Ansammlung von Menschen. Es ist von vornherein, allein schon an der Anzahl der entsprechenden Shirts erkennbar, dass Andy LaPlegua und seine Mitmusiker dank der vorangegangenen Tour mit Rammstein wahnsinnig profitiert haben. Von im Schnitt 14000 Zuschauern hat sich immer ein Bruchteil zum brachialen Elektrosound der amerikanisch-norwegischen Band hinreißen lassen. Wie man sehen wird, zu recht!
Schon zu ihrem Opener „Reclamation“ ist der Beifall tosend. In blaues Licht gehüllt und mal wieder theatralisch geschminkt, betritt das Quintett die Bühne und hat die Menge ab dem ersten Ton komplett im Griff. Trotz einer ordentlichen Discography, dominieren an diesem Tag hauptsächlich die Tracks der neuesten Veröffentlichung „Making Monsters“. Die Evergreens wie „Electrohead“ und „Blut Royale“ werden natürlich auch unter donnernden Beats in die Menge gefeuert und das mit einer unglaublichen Spielfreude und Bühnenpräsenz.
Hierbei sei der Schlagzeuger Joe Letz und Frontmann/Mastermind der Band Andy LaPlegua herauszuheben. Wenn Joe auf die Felle und Becken einprügelt, erwartet man bei jedem Schlag das Zusammenbrechen seines Sets, während Andy sich in Rage schreit, singt und dabei ununterbrochen in Bewegung bleibt.
Vereinzelt lassen sich Leute scheinbar auch zu einem Moshpit(!) hinreißen, während die „Glühwürmchen“ ihre Tänze in den vorderen Reihen aufführen.
Von Anfang an kann man den Jungs, besonders live, eine gewisse Rock Attitüde bescheinigen, die auch mal mehr Leute erreicht als der Einheitsbrei der sich in der EBM-Ecke auszubreiten scheint. Zum Glück!
Routiniert und voller Energie spielen sie ihre Liste zu Ende und lassen zum Grande Finale auch etwas von ihren Metal/Rock-Wurzeln durchscheinen in dem sie ihre Schlagzeuge und das Keyboard artgerecht zerlegen. So sollte eine Show sein. So eine Show haben Combichrist geliefert. Man kann diese Kerle lieben oder hassen, aber in ihrem Genre können ihnen aktuell die „Kollegen“, zumindest live, nicht das Wasser reichen!
Man darf sich hoffentlich bald auf ein Wiedersehen freuen!

Igor Barkan

 

Photos: N.W.

[cincopa AYNAziKUEJHt]


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