Interview mit Volbeat

Jon Larsen, der Schlagzeuger von Volbeat hat sich Zeit genommen um mit uns über die Live DVD zu sprechen, die demnächst rauskommt. Hier könnt ihr euch das Interview anschauen.

BM: Ihr habt jetzt eine ausverkaufte Tour in Deutschland. Wie fühlt es sich an, so einen Erfolg außerhalb Dänemarks zu bekommen?

Jon: Fühlt sich gut an! Du musst wissen das Deutschland schon immer eine Art zweite Heimat für uns gewesen ist. In den letzten Jahren sind wir hier wirklich viel rumgekommen. Es war zudem eines der ersten Länder außerhalb Dänemarks, die uns ernst genommen haben. Wir sind ziemlich stolz hier eine ausverkaufte Tournee vorweisen zu können.

BM: Ist es auch einer der Gründe, warum ihr euch entschieden habt den Auftritt beim „Rock am Ring“ auf eure DVD zu packen?

Jon: Auf jeden Fall! Die Veranstalter und das Publikum waren immer gut zu uns, zudem durften wir dieses Jahr auf der Mainstage vor keine Ahnung wie vielen Leuten spielen! Es waren so viele…

BM: Es waren 80000.

Jon: Ja, um den Dreh. Also war es für uns sowieso klar, dass wenn wir Aufnahmen dieses Konzerts zur Verfügung gestellt bekommen würden, wir sie auf jeden Fall benutzen würden.

BM: Wenn wir schon gerade von der DVD reden: Ihr habt für die Veröffentlichung drei Mitschnitte verwendet. In Anaheim (USA), Kopenhagen (DK) und „Rock am Ring“ in Deutschland. Die Anzahl der Zuschauer unterscheidet sich sehr stark voneinander. Fühlt es sich anders an, vor einmal so vielen und auf der anderen Seite eher wenigen Fans zu spielen bzw. bevorzugst du eine Art von Show?

Jon: Nein nicht wirklich, es ist alles auf seine Art und Weise gut. Es kann natürlich sein das ein Konzert eine Stimmung rüberbringt die ein anderes nicht hat und andersrum. Zum Beispiel kannst du bei einem so großen Festival nicht jedem im Publikum erreichen, in einem kleinerem Club hingegen schon. Wir denken es ist sowohl für die Fans als auch die Band interessant, wie man auf der Bühne eines der größten Festivals Europas aussieht.

BM: Ihr entfernt euch aktuell immer weiter weg vom Status einer Club-Band. Über die Jahre hinweg seid ihr größer und größer geworden. Ich kann mich noch erinnern als ihr noch vor ein paar hundert Leuten gespielt habt und heute steht ihr vor einer ausverkauften Halle von 6000 Zuschauern. Was wäre da für euch der nächste Schritt? Ihr habt mit so großen Bands wie Metallica gespielt, nächstes Jahr mit Megadeth und Motörhead in den Vereinigten Staaten. Es sind alles Legenden. Es müsste sich für euch eigentlich anfühlen als würde man seinen Traum leben.

Jon: Es ist recht witzig, da wir vor ein paar Jahren ein paar Shows mit Megadeth spielen konnten. Könnte 2008 gewesen sein, denk ich.

BM: Mit den Big Four?

Jon: Nein, nein. Es war davor. Genau genommen haben sie uns damals auf ihre Headliner-Tour durch Finnland eingeladen. Was ziemlich gut für uns war, denn das hat für uns den finnischen Markt eröffnet. Ein paar Tage später konnten wir mit ihnen noch in Kopenhagen spielen. Michael (Poulsen) hat Dave (Mustaine) schon mehrfach getroffen und als wir für die kommende Tour mit ihnen angefragt wurden, haben wir einfach nur „Ja bitte!“ gesagt.

Ich meine die Leute fragen uns oft mit welcher Band wir noch spielen wollen würden…

BM: Ihr habt ja im Grunde mit allen getourt.

Jon: Naja, zumindest mit sehr vielen und wir haben immer gesagt wir wollen Motörhead. Wir wollten schon immer mit ihnen auf Tour gehen. Nun haben wir das Beste beider Welten: Megadeth und Motörhead.

BM: Ist überhaupt noch eine Band übrig mit der ihr gerne touren würdet?

Jon: Ja, natürlich! Es sind immer Bands da mit denen man gerne spielen würde. Wir haben unter anderem noch nie mit Iron Maiden gespielt. Sie haben dieses Jahr das Sonisphere, in ich denke Polen, geheadlinet wo auch wir gespielt haben. Aber das zählt nicht wirklich. Maiden wäre auf jeden Fall eine coole Möglichkeit.

BM: Ihr habt ja die Show in Kopenhagen (auf der DVD) gespielt und es gab so viele Gastauftritte von so vielen Musikern. Wie habt ihr es geschafft, alle diese Leute in einer Show zu versammeln?

Jon: Es braucht wirklich einiges an Arbeit um das zu bewerkstelligen. Es war an dem Tag auf jeden Fall stressig. Zum einen weil wir in unserer Heimatstadt vor einer ausverkauften Halle von 10000 Fans spielten, zum anderen natürlich die Schwierigkeit wirklich alle Gastsänger und Musiker von allen unseren Alben zusammen zu bringen. Barney von Napalm Death konnte zum Beispiel nicht kommen, also haben wir auf LG Petrov von Entombed zurückgegriffen. Im Gegensatz dazu war es recht einfach Johan Olsen („The Garden’s Tale“) und Pernille Rosendahl („Mary Ann’s Place“) auf die Bühne zu holen, da beide im Grunde immer mit uns performen wenn wir in Dänemark unterwegs sind.

BM: Dann war ja noch Mille von Kreator dabei.

Jon: Ja, genau! Wir haben ihn einfach gefragt: „Wir werden diese große Show haben. Möchtest du ein Teil davon sein?“ und er hat gleich zugesagt! Ihn zu bekommen war also recht einfach. Genau genommen waren Kreator zu diesem Zeitpunkt nicht mal auf Tour.

BM: Ich war recht überrascht als ich die ganzen Leute auf den Aufnahmen sah.

Jon: Wir haben einfach die Leute angefragt und sie sagten einfach „Ja!“. So ist das zustande gekommen.

BM: Ich konnte mir einige „Behind the scenes“-Aufnahmen ansehen und es hieß dort das ihr am Tag des Auftritts nicht genug Zeit gehabt hättet um mit allen Musikern zu Proben. Es hätten also einige Dinge schief gehen können. Es sieht für mich aber danach aus, als sein alles glatt gelaufen. War dem auch so?

Jon: Oh…es ist schon über ein Jahr her. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht wirklich erinnern ob alles gut lief. Es war natürlich etwas kompliziert und man musste den Überblick behalten wann jemand auf die Bühne tritt, wieder geht usw. Aber ich denke es lief eigentlich alles gut.

BM: Ihr tourt ja so gut wie jedes Jahr. Gibt es denn Pläne nach dieser Tour eine Pause von ein paar Monaten oder sogar einem Jahr zu nehmen?

Jon: Nein, ich denke wir haben nicht vor eine wirkliche Pause einzulegen. Ein Jahr wäre definitiv zu viel für uns.

BM: Ihr habt also immer noch richtig Spaß an eurer Arbeit?

Jon: Ja, natürlich! Aber ich denke das wir nach der Tour mit Megadeth und Motörhead eine kleine Auszeit vom Tourleben einlegen, die wir aber vermutlich dazu nutzen werden um an neuem Material zu arbeiten.

BM: Habt ihr aber immer noch genau denselben Spaß wie die Jahre zuvor, als eure Konzerte noch überschaubar und das Publikum kleiner war als zur heutigen Zeit?

Jon: Es ist immer spannend neue Länder und Städte, sowie ihre Fans zu entdecken. Ich persönlich denke dass wenn einem die ganze Sache keinen Spaß mehr machen sollte, es zu einem Leiden wird und die Fans es sofort merken würden. Die Leute heutzutage sind in dieser Hinsicht sehr schlau und sehen es einem an. Für uns macht es auf jeden Fall sehr viel Spaß und ich denke das wenn der Tag kommt an dem dieser Spaß verschwindet, es auch mit der Band zu Ende gehen wird.

BM: Wie schon erwähnt, habt ihr viele Gastmusiker auf euren Alben. Gibt es schon Pläne für die nächste Kollaboration?

Jon: Ich denke da schon an ein paar Leute, aber es ist viel zu früh um einen Wunsch dazu zu äußern oder sich auf jemanden festzulegen. Bei den letzten Interviews die Michael und ich die letzten Tage gemacht haben, tauchte diese Frage immer wieder auf. Und wir sagen immer wieder, dass wir es einfach noch nicht wissen und es gut sein kann das wir das nächste Mal sogar mit niemandem außerhalb der Band zusammen arbeiten werden. Vielleicht wird es jemanden geben, vielleicht aber auch nicht. Wir werden auch ständig gefragt ob wir James Hetfield für unser nächstes Album holen werden und ich kann immer nur sagen das ich das nicht glaube…wer weiß.

BM: Wäre auf jeden Fall cool ihn dabei zu haben!

Jon: Vielleicht holen wir uns auch Lou Reed.

BM: Wenn ihr eure Karriere beenden wollt, wäre er auf jeden Fall genau der Richtige!

Jon: Es ist auf jeden Fall zu früh etwas darüber zu sagen. Wenn Michael mit jemandem kommen würde und sagen würde, er könne sich bei irgendeinem Song einen weiteren Gesang oder eine andere Gitarre vorstellen, dann eventuell.

BM: Besonders die Featurings zeigen dabei eure Bandbreite und die vielen Einflüsse, aus denen ihr eure Inspirationen zieht auf. Es gibt innerhalb einzelner Alben auch krasse Gegensätze wie „16 Dollars“, das im Endeffekt ein Rockabilly-Stück ist und „7 Shots“, ein fast purer Thrash-Song.

Jon: Das war auch der Grund warum wir Jacob von den „Tiger Tones“ für „16 Dollars“ engagiert haben um auf dem Kontrabass Slap-Bass zu spielen. Um Mille auf einen Song zu packen („7 Shots“; ebenfalls mit Michael Denner von Mercyful Fate/King Diamond beim Solo) musste es natürlich auch in die Richtung von Kreator gehen, ohne sie zu kopieren. Es ist fast dieselbe Geschichte mit Barney von Napalm Death. Wir brauchten etwas damit es wirklich zusammenpasst, ohne die Band selber nachzuahmen.

BM: Aporpos Barney. Habt ihr jemals auch mit ihm euren Song aufgeführt?

Jon: Ja, genau genommen vor zwei Wochen in London. Er ist direkt von seinem Flug aus Kanada gleich auf die Bühne gekommen. Er hat dazwischen vielleicht 1 ½ Stunden Schlaf gehabt. Es war ein ziemlicher Killer!

BM: Zum Schluss würde ich gerne noch erfahren was deine größten Einflüsse im Bezug auf das Songwriting sind bzw. welche Künstler dich dabei am meisten inspirieren.

Jon: Für mich persönlich?

BM: Ja, genau für dich. Du kannst ja schlecht für die anderen reden.

Jon: Ja stimmt, ich kann nicht für die anderen reden, kann mir aber denken was sie sagen würden. Für mich persönlich war und ist es immer noch der Oldschool, was das Schlagzeug spielen anbelangt. Wenn man sich die neuen Drummer anschaut, wie zum Beispiel Joey Jordison von Slipknot, so ist er verdammt gut aber ich kann nicht das spielen was er kann. Er ist mir zu technisch. Ich schaue mir immer noch gerne Sachen von David Francis „Panama“ an oder Nicko McBrain von Iron Maiden.

BM: Technik sagt auch nichts über Qualität aus. In diesem Sinne danke ich dir für das Interview und viel Spaß heute Abend!


Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*