Tod und Terror: Warum das kollektive Trauern auf Facebook keinem hilft!

Nizza Terror Kerze Trauer
Die Anzahl trauriger Ereignisse alleine in diesem Jahr, die auf der Welt passiert sind, lassen sich nur schwer erfassen. Terroranschläge, Unfälle oder Stars, die von uns gegangen sind. Geschehnisse die so unterschiedlich und schlimm sind, dass man sie nicht miteinander vergleichen kann und sollte. Wer damals noch akribisch in den Todesanzeigen der Zeitungen geblättert hat, schickte einen Brief an die Hinterbliebenen des Verstorbenen, für den man sein Mitgefühl ausdrückten wollte.

Heute schauen Menschen lieber bei Facebook nach Neuigkeiten. Ist etwas schlimmes passiert, dann wird der Beitrag sofort geteilt. Denn wir fühlen uns verantwortlich diese Nachrichten weiter zu tragen an unsere Freunde und Bekannten.

Ja es ist tragisch und ja wir fühlen uns mies. Doch wann entstand der Trend, dass wir Beileidsbekundungen für fremde Personen aussprechen, nur um uns dadurch selbst zu profilieren? Ist DAS nicht eigentlich die wirklich traurige Geschichte?

Warum posten Menschen nicht jeden Tag wie leid es ihnen tut, dass wieder ein Kind irgendwo in Afrika an HIV oder Hunger verstorben ist? Warum postet man nicht, wie traurig man ist, dass in Fukushima immernoch radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer läuft?

Vielleicht liegt es daran, dass viele generell nicht wissen, wann man eine Beileidsbekundung überhaupt ausspricht. Deshalb hier noch einmal die Erklärung, so wie man sie in Wikipedia findet, wenn man den Begriff Kondolenz nachschlägt:

„Die Kondolenz wird dem Menschen, der von einem Todesfall betroffen ist, in einer fest stehenden Redewendung persönlich zugesprochen..“

pray for nizza nice terror

Mal ganz ehrlich.. Wer von den Internet-Nutzern hat jemanden in seiner Facebook-Freundesliste, der bspw. Prince oder David Bowie persönlich kannte? Wem ist geholfen, wenn man postet dass man Paris, Istanbul oder Nizza sei? Mit diesen inhaltslosen Postings, die letztendlich nur dazu dienen ein trauriges Ereignis zu nutzen um selbst Aufmerksamkeit für ein paar Likes zu erhaschen, machen die Facebook-Trauerenden die Welt nachhaltig – auch nicht besser.

Terroristen werden von solchen Postings auch in Zukunft nicht davon abgehalten weiter schlimme Dinge in dieser Welt anzurichten. Denn diese Menschen treten (leider) in Aktion. Jeden Tag. In der richtigen Welt. Sie tun etwas (wenn auch schreckliches), um ihren in unseren Augen wahnsinnigen Visionen gehör zu verschaffen. Doch wir denken es sei ausreichend irgendetwas aus unseren bequemen Wohnzimmern in eine Tastatur zu hämmern und dabei möglichst viele traurige Smilies einzubauen.

Wer unter Google News den Begriff „tot“ oder „Tod“ eingibt, bekommt innerhalb einem Bruchteil einer Sekunde mehr als 12 Millionen unterschiedliche Todesfälle angezeigt. Menschen denen man theoretisch allen einen Facebook-Beitrag widmen könnte. Doch, um jenen zu helfen, die wirklich betroffen sind, gehört eben ein bisschen mehr. Mehr als Logos, Slogans oder Hashtags!

Früher, da ging man zur Beerdigung und überreichte einen Straus Blumen, oder zumindest einen Umschlag mit einer Trauerkarte und zeigte den Angehörigen, dass sie in dieser Situation nicht ganz allein sind. Heute ist die Generation-Facebook ist lieber damit beschäftigt sich in einer gekonnten Inszenierung selbst zum Angehörigen und zum Opfer willkürlicher Ereignisse zu erklären. Darüber trauern wir.


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