Kolumne: Deutschlands Musikbranche braucht mutige A&Rs!

Die goldenen Zeiten der Musikbranche sind vorbei. Vorerst, oder für immer? Doch der Ursprung der Abwärtspirale liegt nicht etwa an der fehlenden Kaufkraft der Leute. Nein, denn die Menschen kaufen alles. Jeden noch so erdenklichen Mist. Vor allen Dingen dann, wenn es keine wertige Alternative gibt und der Konsument dahingehend erzogen wird, dass mittelmäßige Retortenmusik vollkommen OK ist.

Warum uns die wirklichen musikalischen Talente und virtuosen ausgehen?
Warum mittlerweile man aus seinem Kinderzimmer mehr Kohle machen kann, als auf der Bühne?

Weil der „Aufbau“ von neuen Talenten nur noch in Castingshows stattfindet. Weil sich die Medienbranche ohne Rücksicht auf Verluste auf diese talentfreien „Wohnzimmer-Künstler“ stürzt und diese bis auf’s letzte Ausschlachtet und wegwirft. Das kostet nichts. Wirtschaftlich eine super Sache!

Und die, die sich heute A&Rs oder Künstlermanager nennen, tragen auch zu allem Übel noch dazu bei. Sie sitzen an ihren Schreibtischen und überlegen sich tolle Konzepte. Über singende Seefahrer, Piraten, Musketiere, Mönche, Indianer oder Elben und rekrutieren dazu passende Opfer, keine Künstler. Eher Darsteller, die für ein bisschen Fame den Knebelvertrag blind unterschreiben. Sie geben ihren Namen, ihre Stimme und ihr Gesicht für „das Produkt“ her. Der Anwalt sagt ja, dass das ganz normale Verträge seien. Zum Kotzen!

Und es funktioniert immer wieder. Und solange das so ist, hinterfragt das auch keiner. Doch wo sind die A&Rs, die für die Musik brennen? Die auf der Suche nach dem Rohdiamanten sind, mit dem sie die Musikbranche auf den Kopf stellen. Wo sind die Mutigen? Es gab sie – und es gibt sie noch. Ein handvoll Musikmanager, Musikproduzenten oder A&R Manager der alten Schule. Sie alle gingen über (ihre) Grenzen, haben mit jeder Entscheidung ihren Job auf’s Spiel gesetzt. Sind „Durch den Monsun“ gegangen, haben die „Welt gerettet“ oder „99 Luftballons“ steigen lassen.

Diese Menschen sind für mich größere „Influencer“ als jemand, der mir erzählt wie super toll der neue Eyeliner von L’Oreal ist.

Aber die neue Generation der Musikbranchenmenschen ist (bis auf wenige Ausnahmen) vernichtend. Sie kommen von der Uni, haben den Rock n Roll nicht gelebt oder erlebt. Sie wissen wie Excel funktioniert, aber nicht welcher Künstler das Zeug dazu hat Menschen zu bewegen. Also geht man (aus Angst um seinen Arbeitsplatz) lieber auf Nummer sicher.

Beim Echo sitzen sie dann wieder alle scheinheilig im Publikum. Wie jedes Jahr. Erhalten Preise in willkürlich zusammengestellten Kategorien und beklatschen sich selbst, für ihre ach so tollen „Erfolgsprojekte“. Zumindest will man, dass wir das glauben. Damit wir denken „wow“ und noch mehr CDs von diesem Schrott kaufen sollen.

Doch schon bald, da wird die Kluft erschreckend sein. Die Kluft zwischen den richtigen Künstlern, die immer älter werden und dem synthetisch hergestellten Nachwuchs. Wenn Peter Maffay, Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer in den Ruhestand gehen, bleiben uns nur noch??
Ja wer hätte eigentlich aktuell das Zeug oder Potential dazu in solch große Fußstapfen zu treten?
Die Lochis vielleicht? Wohl kaum!

Ich komme aus einer Zeit, in der man nur für voll genommen wurde, wenn man sein Instrument beherrschte. Stundenlanges Üben am Klavier, Gesangstunden, kontinuierliches verbessern von Songtexten. Wenn man was mitzuteilen hatte. Doch die Mühe wurde belohnt. Mit Anerkennung, Erfolg und der Unterstützung von Menschen, die an einen glaubten, dein Potential erkannten und in dich investierten. Doch das ist vorbei. Die erste Frage, die ein Talent heute gestellt bekommt ist nicht etwa, was seine Message sei, sondern wie hoch seine „Reichweite“ ist. Furchtbar!

Der Hype um die Menschen mit den vielen virtuellen Fans hält noch eine Weile an. Und was kommt dann? Wenn die Menschheit irgendwann wieder Hunger auf Qualität bekommt und sich einen neuen Mozart, Elvis, 2Pac oder Michael Jackson herbei wünscht? Wie lange kann und will uns dann die Unterhaltungsindustrie mit platten Songtexten und Auto-tune-Pop-Schlager Sängern füttern?

Liebe Musikwelt, es wird nicht nur Zeit für neue mutige Musikmanager und Plattenchefs. Auch für alle Nachwuchs-Stars da draußen gilt: Wenn irgendwann die Anzahl eurer „Suscribes“ nichts mehr Wert sind, dann zählt am Ende nur noch euer Können. Also reißt euch den Arsch auf und zeigt, was ihr drauf habt!

 


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