HANNAH – Alpenpunk unglaublich sympathisch-Das Interview

Sie gilt in Österreich bereits zu den absoluten Spitzenstars in der Branche des Rock-Pop Schlagers, lässt sich in keine Schublade stecken und begeistert durch wahren Alpenpunk ihre Fans. Warum es in Deutschland noch ein wenig „schleppend“ voran geht mit ihrer Popularität, das wollten wir von Burning-Music von ihr unter anderem wissen und wir bedanken und schon jetzt für das überaus offene und ehrliche Interview!

BM:

Liebe HANNAH, wir erzählten eingangs davon, dass Du in Deiner österreichischen Heimat bereits ein echter Superstar bist in Deutschland hingegen braucht es noch ein wenig mit Deiner Popularität. Wie erklärst Du Dir das und wie sind dorthin gehend Deine Pläne?

HANNAH: Ich spiele in Österreich, Schweiz und Südtirol mehr als 130 Auftritte pro Jahr, in Deutschland kann ich meine Auftritte an einer Hand abzählen. Auch in der deutschen Musikszene wird viel „geschoben“ und wenn das nötige Kleingeld dafür fehlt, muss man eben den ehrlichen Weg gehen. Ich gehe diesen Weg, auch wenn er länger dauert, aber ich bin mir sicher, dafür ist der Erfolg von Dauer. Diesen Weg bin ich in Österreich gegangen – und glaubt mir, auch da war es ein steiniger Weg-, aber im Endeffekt hat er sich ausgezahlt. Ich bin meiner Heimat und meiner Tradition, die ich von meinen Großeltern und Eltern geschenkt bekommen habe, sehr verbunden, leider wird dieser Heimatgedanke in Deutschland oft falsch verstanden oder nicht gelebt. Aber warum soll man sich für seine Wurzeln schämen, machen die Wurzeln nicht einen Menschen aus. Ich stehe zu meiner Meinung, bin weltoffen und sage, was ich mir denke- mit hohlen Redensarten habe ich wenig am Hut.Meine Musik kommt aus meinem Herzen und aus meinem Kopf und diese ehrliche Musik findet ihren Weg! Deshalb bin ich mir sicher, sie wird sich auch in Deutschland durchsetzen. Wie heißt es so schön: „Einen Hit kann man nicht verhindern!“

BM:

Du singst neben Hochdeutsch auch einige Songs in deiner Tiroler Mundart. Da fällt uns ganz spontan mit dem Titel „Hoamat“ einer deiner Livekracher Nummer Eins ein. Das ist sicherlich mit ein Erfolg für Deine Authentizität. Was bedeutet es Dir persönlich, einerseits so weltoffene Musik ohne Grenzen zu machen und andererseits aber das Fleckchen Erde, wo du geboren bist, nicht außer Acht zu lassen?

HANNAH: Meine Heimat ist der Ort an dem ich geboren bin, aber nicht nur rein geographisch, sondern auch die Menschen, die mir meine Wurzeln vermittelt haben. Als ich 18 Jahre alt war, mein Abitur absolviert hatte, dachte ich nur eins: „Ich muss raus aus Tirol, weg von der Engstirnigkeit, die viele Menschen hier leben.“ Also eröffnete ich meinen Eltern, dass ich gerne Sängerin werden würde, und ging zu POWERVOICE, damals noch in Hannover. Ich machte dort meine Ausbildung zum Vocalcoach und zur Sängerin und lernte auch viele andere Menschen kennen. Später lebte ich auch 1 Jahr in der Schweiz und auch immer wieder einige Monate in Italien und in den VAE.

Ich finde, man schätzt seine HOAMAT erst dann, wenn man über den Tellerrand geblickt hat. Wie schön die Natur ist, wie schön es ist, in seinem eigenen Dialekt zu sprechen, im Supermarkt alte Schulfreunde zu treffen. Das alles hat erst WERT, wenn man es einige Zeit nicht gehabt hat. Deshalb liebe ich meine HOAMAT, die Berge, das Essen und die Menschen, vor allem meine Familie, um mich herum.

BM:

Du polarisierst ja sehr mit Deinem Äußeren, sei es durch Tattoos, auffallende Dirndl, Schuhe, Frisur. Warum ist Dir das so wichtig und bist Du im Alltag auch so „schrill“?

HANNAH: Wenn ich jetzt könnte, würde ich lachen! Ich war immer sehr angepasst als Kind, ich wollte immer jedem gefallen und ja nichts tun, dass jemand auch nur irgendwie etwas Blödes über mich sagt. Jetzt bekomme ich Beschimpfungen, was mein Äußeres anbelangen, fast täglich um die Ohren gehauen.

Ich komme ja eigentlich aus dem Rockbereich und Volksmusik und Schlager waren mir als Kind immer ein Greuel. Meine Mama hörte immer Lokalradio und Frühschoppen am Sonntagvormittag – ganz schlimm für mich als Kind. Als ich dann selber, meine 2 Kinder waren schon auf der Welt, am Klavier saß und in meinem Dialekt vor mich hinsang, dachte ich „Genau das ist es“ – man muss die Musikstile mischen. So bin ich in diese Szene reingerutscht. Ich hab ein Demo, es war mehr oder weniger ein primitiver 1 zu 1 Mitschnitt mit mir am Klavier und Gesang, an den Produzenten und meinen jetzigen Mann, Willy M. Willmann, verschickt und mit diesem Mitschnitt bin ich gesignt worden. Dann begann das Drama! UMSTYLING -die Plattenfirma wollte mich umstylen und ich dachte mir, als doch eher schrille Persönlichkeit, SUPER, da mache ich mit. Herausgekommen bin ich wie „Hansi Hinterseer“ in weiblich. Nichts für mich. Und ich dachte mir, ich muss mich einfach abheben, um mich wohlzufühlen. Also hab ich mir das Tiroler Wappentier, den Tiroler Adler, auf den Kopf tätowieren lassen, und habe versucht, was anderes zu machen als alle anderen. Es hat funktioniert und ich erfinde mich eigentlich regelmäßig neu, ob es den Menschen da draußen gefällt oder nicht. Ich finde, es müssen nicht alle Sängerinnen aussehen wie Helene Fischer, das wäre doch langweilig. Ich habe gerne Ecken und Kanten und soll ich euch was verraten: Egal, ob ich die Haare kurz oder lang habe, ein Tattoo mehr, ein Dirndl oder eine Jogginghose anhabe, ICH BIN IMMER DER SELBE MENSCH. Und wenn es innen drinnen SCHÖN ist, dann kann die Hülle außen auch LEUCHTEN! Vielleicht sollten mal mehr Menschen darüber nachdenken!

BM:

Punk statt Pomp-würde das auf Dich zutreffen?

HANNAH:
Im Hinblick auf DAS LEBEN auf jedem Fall: Ich gehe lieber auf den Berg, als auf VIP-Partys, schlafe lieber unter 1000 Sternen am Himmelszelt, sprich Camping, als in einem Hotelzimmer mit 5 Sternen an der Tür, bin gerne bei meiner Familie, unterhalte mich gerne mit meinen Fans und lebe eher das einfache, aber doch oft duschgeknallte Leben einer Musikerin. An meinen Klamotten oder Schuhen darf es allerdings gerne etwas mehr sein, mehr Nieten, mehr Leder etc. Bühneklamotten dürfen auch POMP haben.

BM:

Derzeit trifft man Dich sehr häufig im Studio an, weil Du im Sommer Deinen neuen Longplayer präsentieren wirst. Kannst Du uns dazu schon etwas verraten?

HANNAH:

Ja, mein Longplayer erscheint im August und das ist immer wie eine Geburt. Ich schreibe ja alle Songs selbst, mein Mann schreibt die Musik, ich die Texte und es fühlt sich oft schrecklich an. Es gibt Tage, da flutscht dir ein Song durch die Finger und alles läuft wie am Schnürchen und dann gibt es Tage, da sitze ich im Studio und schau immer auf die Uhr, die sich Stunde um Stunde vorwärtsbewegt und mir fällt absolut nichts ein. Niente. Und dann denke ich mir, dass daheim die Bügelwäsche wartet und dass ich so viele Sachen erledigen hätte können- das ist echt Horror.

Aber jetzt sind alle Songs fertig und die Angst, ob es den Menschen da draußen vor der Studiotüre gefällt oder nicht, wechselt sich dann ständig mit Hochgefühlen, dass wir so geile Songs haben, ab. Eigentlich total schizophren, aber damit habe ich mich auch abgefunden, dass ein bisschen PSYCHO zu jedem Künstler dazugehört!!!!

BM:

Witzig, spritzig und ein bisschen mit Schlager angehaucht ist Deine aktuelle Single „Mama“. Dahinter verbirgt sich aber eine ganz andere Aussage, richtig?

HANNAH:

Richtig erkannt, liebe BM!! Hannah wäre nicht Hannah, wenn es nur um Schuhe gehen würde. Ich finde Schuhe toll und ich hab auch echt viele, aber ich wollte auch auf eine humorvolle Art den Konsumwahn ein bisschen verdeutlichen. Man(n) oder Frau hat oft das Gefühl, DAS muss man jetzt einfach haben, das müssen gar nicht Schuhe sein- und da nehme ich mich gar nicht aus. Mir kommt das dann oft so vor, als ob da eben so eine kleine Stimme spricht: Nimm mi mit, nimm mi mit und kauf mi!! Eigentlich voll blöd, denn wenn man dann richtig drüber nachdenkt, braucht man so wenig im Leben und das materielle Gut ist es sicher nicht wert, das Konto zu überziehen. Vielleicht trägt mein Song dazu bei, wenn die Stimme im Inneren wieder zum Kaufen animiert, sie abzudrehen und auch ohne Kaufgefühl glücklich zu sein.

Vielen herzlichen Dank an HANNAH für dieses geniale Interview wir freuen uns sehr!

Fotocredit: Angelo Lair


Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*