Thailand, erlebt durch eine Gitarre: Hucky Eichelmann in Bonn – Konzertbericht


Thailand, erlebt durch eine Gitarre: Hucky Eichelmann in Bonn

Josef-Wölfl-Haus, Bonn – 10. September 2026

von Dr. Colin Dürkop

Hucky Eichelmanns Konzert in Bonn – die zweite Station seiner Europatournee „Magical Melodies of Thailand & Beyond“ – verwandelte das Josef-Wölfl-Haus in eine musikalische Reise durch Thailand und die angrenzenden Kulturräume. Der Veranstaltungsort war ideal gewählt: Das Haus ist bekannt für seine intimen Liederabende und Kammermusikkonzerte, bei denen die Nähe zwischen Künstler und Publikum Teil des Erlebnisses ist.

Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt; unter den Zuhörern befanden sich Musiker, Lehrkräfte, Akademiker und Menschen mit langjährigen Verbindungen zu Thailand. Manche waren mehr als 250 Kilometer angereist, um Eichelmann zu hören. Zu den Gästen zählten ehemalige Vertreter deutscher Stiftungen, die in Thailand tätig gewesen waren, Fachleute aus deutsch-thailändischen Organisationen sowie Musiker. Es war ein Publikum, das gekommen war, um wirklich zuzuhören.

Das Eröffnungsstück „Lai Ponglang / Nok Sai Bin Kam Thung“, das auf Traditionen aus Nordostthailand basiert, demonstrierte eindrucksvoll, wie Eichelmann mit einer einzigen Gitarre den Eindruck eines viel größeren Klangspektrums erzeugen kann. „Lai Ponglang“ entfaltete sich in gemächlichem Tempo, doch darunter verlief eine bewegte Melodielinie. „Nok Sai Bin Kam Thung“ war lebhafter gestaltet; ein beständiger Bordoun stützte dabei rasche Passagen in den höheren Lagen des Instruments. Dieser Kontrast verlieh dem Auftakt sowohl einen ausgeprägten Sinn für Rhythmus als auch einen starken lokalen I-sarn Charakter.

„Ayutthaya Fantasy“ sorgte für einen völligen Stimmungswechsel. Basierend auf Melodien aus der Ayutthaya-Epoche (um 1600), ermöglichte das Stück Eichelmann den Übergang von ruhigen, nachdenklichen Passagen hin zu weiträumigeren, dramatischen Momenten. Nach der rhythmischen Energie des Auftakts schien das Stück ein Fenster zu einer anderen Epoche der thailändischen Geschichte zu öffnen.

„Burma Klong Yao“ zählte zu den eindrucksvollsten Darbietungen des Abends. Eichelmann begann mit Gitarreklängen, die an den Schlag einer Trommel erinnerten, bevor er die Melodie in den Vordergrund rückte. Während das Stück an Dynamik gewann, bewegten sich virtuose melodische Figuren über einem soliden Bassfundament. Die Darbietung war äußerst lebendig und körperbetont; die Energie schien gleichermassen aus der Bewegung und der Melodie zu entspringen.

Mit „Khaek Samse“ hellte sich die Stimmung auf und wirkte selbstbewusst. Das Stück hat einen natürlichen Vorwärtsdrang, und Eichelmann interpretierte es präzise und energiegeladen, ohne dabei gehetzt zu wirken. Es war eine weitere Erinnerung daran, dass die hier repräsentierte traditionelle Musik aus Thailand’s Süden nicht bloß einen einzigen Klang oder eine einzige Stimmung darstellt, sondern eine bemerkenswert vielfältige musikalische Landschaft.

Die Reise führte anschließend über Thailand hinaus mit „Song of the Fisherman“ – einem Stück, das auf einer traditionellen chinesischen Melodie basiert und deutlich auf den chinesischen Einfluss in der thailändischen Gesellschaft verweist –, bevor sie mit „Chao Phaya Concerto Fragment“ und „Khaek Chao Sen“ zu thailändischem Material zurückkehrte; beide Stücke wurden von Bruce Gaston komponiert und von Eichelmann arrangiert. Hier zeigte sich besonders seine Stärke als Arrangeur: Er überträgt eine vorhandene Melodie nicht einfach nur auf die Gitarre, sondern schafft Raum um sie herum und nutzt die Dynamik und die verschiedenen Register und Klangfarben des Instruments, um der Musik neues Leben einzuhauchen.

Es folgten „Gospelhorn“, „Erdig“ und „Hat Nai Harn“ – Stücke, die das Publikum mit ihrem hochvirtuosen, jazzigen Charakter in ihren Bann zogen –, bevor „Rak Ritsaya“ erklang.
Dies war einer der feinsinnigeren Momente des Abends: eine lyrische, bittersüße Melodie, die Eichelmann sich mit Wärme und Zurückhaltung entfalten ließ. Die Phrasierung besaß eine stille Dramatik, ohne dass er die Emotionen je überzog.

„Burung Kakak Tua“ brachte eine leichtere Swing-Note ein. Die Melodie, die in den Musikkulturen Indonesiens, Malaysias und Thailands gleichermaßen verbreitet ist, fügte sich ganz natürlich in die musikalische Reise ein – ein weiterer kleiner Hinweis darauf, dass die Grenzen zwischen südostasiatischen Musiktraditionen nie so starr waren, wie es Landkarten vermuten lassen könnten.

Einer der eindringlichsten Momente war „Nam Ta Saeng Tai“. Die schlichte, melancholische Melodie wirkte auf der Gitarre besonders natürlich und eindrucksvoll. Eichelmann ließ ihr Raum zum Atmen und überließ es der Wärme des Instruments, die Emotionen zu tragen, anstatt zu versuchen, sie künstlich zu unterstreichen.

Dann folgte „Techno Toey“, eine Eigenkomposition Eichelmanns, die auf einem viertaktigen thailändischen Riff basiert und das Konzert schlagartig in die Gegenwart holte. Ihre lebendige, zeitgenössische Energie bildete einen fesselnden Abschluss des Hauptprogramms und verdeutlichte einen wesentlichen Aspekt seines künstlerischen Ansatzes: Tradition wird hier nicht als etwas in der Zeit Erstarrtes behandelt, sondern als Material, das neu geformt und frisch gehört werden kann, ohne dabei seine Authentizität oder seinen emotionalen Charakter einzubüßen.

Der Applaus lockte Eichelmann für eine Zugabe zurück auf die Bühne: „H.M. Blues“, eine Komposition Seiner Majestät König Bhumibol Adulyadej (Rama IX.). Es war eine besonders treffende Wahl. Eichelmann spielte das Stück mit lässigem Swing und einem warmen, vollen Ton und ließ der Melodie Raum, für sich selbst zu sprechen. Der Blues-Charakter entfaltete sich ganz natürlich, während die eher melancholischen Wendungen der Melodie liebevoll und ohne Anflug von Sentimentalität interpretiert wurden. Nach der vielfältigen musikalischen Reise des Hauptprogramms bot die Zugabe einen ruhigeren, persönlichen Ausklang.

Was Eichelmanns Spiel so unverwechselbar macht, ist die Tatsache, dass die Gitarre selten zum Selbstzweck wird. Sie dient vielmehr als Medium, durch das Melodien, Rhythmen und Geschichten zum Ausdruck kommen können. Seine Vertrautheit mit der thailändischen Musik zeigt sich in seinem Rhythmusgefühl, seiner Dynamik und seiner Phrasierung; ebenso wichtig ist seine Fähigkeit, ungewohntes musikalisches Material zugänglich zu machen, ohne es zu vereinfachen.

Nach mehr als 90 Minuten Musik schloss sich ein Gespräch mit Hucky Eichelmann an – in dem es um Eichelmanns musikalischen Werdegang und sein fast fünf Jahrzehnte währendes Leben in Thailand ging. Auf den zwanglosen Austausch folgte ein Empfang, bei dem das Publikum das Gespräch mit dem Musiker fortsetzen konnte.

Der Abend spiegelte zudem den mehr als 60-jährigen kulturellen Austausch der Deutsch-Thailändischen Gesellschaft wider. In seinem Schlusswort bezeichnete Dr. Chaiyakorn Kiatpongsan, Gesandter-Botschaftsrat an der Königlich Thailändischen Botschaft in Berlin, das Konzert als hervorragendes Beispiel dafür wie „Soft Power“ durch die Kraft der Musik, Menschen zusammenzubringt. Er äußerte zudem die Hoffnung, dass eine solche Veranstaltung im kommenden Jahr anlässlich des 165. Jahrestags der deutsch-thailändischen diplomatischen Beziehungen erneut stattfinden könne.

Doch das überzeugendste Argument für diesen Abend lieferte die Musik selbst. 90 Minuten lang wurde Thailand nicht durch die vertrauten Bilder von Tempeln, Stränden oder Kulinarik präsentiert, sondern durch Melodie, Rhythmus und Erinnerung und den Klang einer einzigen Gitarre. Genau hier liegt die wahre Stärke von „Magical Melodies of Thailand & Beyond“: eine ferne Kultur so nahbar zu machen, dass man sie in vollen Zügen genießen kann.