European Songwriting Awards – und die vielleicht letzte Musikmesse in Frankfurt!

Zahlreiche Aussteller aus China wittern das große Geschäft in Frankfurt.

Schon vor zwei Jahren stellten wir fest, dass sich die Musikmesse vermeintlich „gesund geschrumpft“ hat. Doch was wir dieses Jahr geboten bekamen, war das Resultat einer unaufhaltsamen Abwärtspirale der Organisatoren der Frankfurter Musikmesse. 

Jedes Jahr treffen sich normalerweise große Hersteller der Musik- Instrumenten- Und Veranstaltungsbranche in Frankfurt am Main, sollte man meinen. Die Liste der Hersteller ist lang. Zumindest von denen, die nicht dazu bereit waren horrende Standgebühren (1000EUR/qm) für eine konzeptionell undurchdachte Messe zu zahlen. Global Player wie Sennheiser, Shure, Roland, Casio, Cordial, Fender, Orange haben wir vergebens gesucht. In vier von ursprünglich 12 Hallen, teilten sich eine handvoll Aussteller die mit Trennwänden verkleinerten Hallen mit einer Vielzahl Chinesischer Plagiats und OEM Herstellern. Für Besucher, die für wenig Geld, einen Kopfhörer, Keyboard oder Schlagzeug Imitat mit eigenem Logo besitzen wollen, der perfekte Ort. Wer revolutionäre Neuheiten der Branche erwartete, sollte lieber auf die NAMM Show in den USA ausweichen.

Eines der wenigen optischen Highlights waren übergroße Hämmoriden-Ringe als Chillout-Zone. Ein Sinnbild für das, was die Messe bei den enttäuschten Besuchern auslöste, die zum Teil sogar an den infocountern ihrem Frust Luft machten. „Ich bin 300 Kilometer gefahren und in einigen Hallen ist noch nichtmal das Licht an“, so ein verärgerter Besucher zur Messe-Mitarbeiterin.

„Wir werden wahrscheinlich 2020 nicht mehr dabei sein.“, so ein Mitarbeiter von SCHOTT-Music, einem großen Verlag für Notenbücher.

Nebenan feierte sich die Veranstaltungsbranche mit dem LEA Award in der Festhalle Frankfurt selbst, als wäre alles wie immer. 100 Festival Konzerte  hätte es in der Woche der Messe in Frankfurt gegeben, so Organisator Wolfgang Weyand, der zufrieden zurückblickt. In der offiziellen Mitteilung war noch von 1000 Events die Rede. Von der Flaute auf der Messe selbst, will er nichts wissen, löschte sogar unser Feedback-Kommentar, das wir auf Weyands Facebook-Profil posteten.

Das Programm umfasste ein lieblos zusammengewürfeltes Lineup auf besserem Stadtfest-Niveau.
In jeder anderen Woche des Jahres finden in Frankfurt mindestens genau so viele Veranstaltungen statt.

Lediglich die Organisatoren der SongsCon (German Songwriting Award) um Ulli Kuppel und Nadja Paul, haben auf wenigen Quadratmetern in ihrer „Circle Stage“, für wirkliche Highlights gesorgt. Mit ihrem liebevollen Projekt „European Songwriting Award“ und verschiedenen Workshops für Nachwuchstalente, gab durchgehend tolle Stimmung.

Nachwuchstalente konnten Machern der Musikbranche ihre Hits von morgen präsentieren.

Der European Songwriting Award ist ein Format mit Zukunft, das auch in den nächsten Jahren fortbestehen wird.
Ob dies für die Musikmesse ebenfalls gilt, bleibt abzuwarten. In den nächsten Tagen wird die Messe-Frankfurt einen Newsletter veröffentlichen, in welcher Sie den grandiosen Erfolg der Messe hervorheben wird.

 


1 Kommentar

  1. Lieber admin,

    ich kann Ihnen nur mehr als zustimmen. 1982 war ich zum ersten Mal auf der Musikmesse in Frankfurt und 2019 wird es das letzte Mal gewesen sein. Es war eine einzige. ärgerliche Katastrophe. Eine halbleere, schlecht ausgeleuchtete Halle 3.0. die zu mindestens 30 % mit chinesischer Billigware gefüllt war. Eine Halle 4.0 mit Leuchtmitteln und Riesen-LED-Bildschirmen, die für Musiker nicht wirklich interessant sind. Eine Halle 8 mit zwar interessanter Technik, aber fast alles außerhalb des normalen Musiker-Budgets. Fast keine Gitarren, Synthies, Keyboards, kleine Mischpulte, Software, Plug-Ins – oder wie früher üblich, Vorführungen der Produkte. Die einzigen Highlights: Die Halle 3.1 und die Wander-Combo „Brass-to-go“. Aber dafür 30 Euro Eintritt zu verlangen (ca. 50 % mehr als vor 5 Jahren), ist Betrug am Besucher.

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