Ektomorf live in München

Ektomorf live – 17.02.2011 München, Backstage Halle

Es ist kalt an diesem Februarabend in München. Es ist mitten unter der Woche und es scheint zunächst das kaum jemand mitbekommen hat, dass Ektomorf in der Backstage Halle gastieren. Während ich mir eine Viertel Stunde nach offiziellem Beginn mein erstes Bier hole, sehe ich mich in der Halle um, und frage mich ob es möglich sei, dass ein Tourtross mit vier Bands, angeführt von einer Band die die „Top 100“ der deutschen Charts geknackt hat, mit Verspätung vor vielleicht etwas mehr als 50 Leuten spielen könnte. Zum Glück lag ich daneben. Aus mir unerfindlichen Gründen füllte sich die Location erst als der Zeitpunkt des Headliners näher rückte. Es scheint als sei dies eine generelle Charaktereigenschaft des Münchner Publikums. Es gilt die Devise: Bist du die Vorband, hast du die Arschkarte. Willkommen in München!
Doch man muss sich nicht mit Problemen aufhalten, die sowieso nicht zu lösen sind. Es geht in diesem Bericht um Ektomorf und damit wollen wir auch beginnen:
Kaum erklingen die ersten Töne des Intros vom neuen Album, weiß die Menge es ist soweit und die drei verbliebenen Recken des Originallineups, inklusive des neu hinzu gestoßenen Tourgitarristen Michael Ranke von den Ingolstädtern Fatality Inc, stürmen zu dem Nackenbrecher und erster Single-Auskopplung der neuen Scheibe „Redemption“ die Bühne.
Die beiden darauf folgenden Songs stimmen das Publikum schon mal darauf ein, das dieses Konzert unter dem Stern der neuesten Veröffentlichung steht.
Mit „Gipsy“ vom Destroy-Album (2004), thematisieren sie ihren Sinti und Roma Background und schreien durch Zoli Farkas die Ungerechtigkeit die dieser Volksgruppe in ihrem Heimatland widerfährt dem Moshpit entgegen der auch das folgende „Show Your Fist“ gerne wörtlich nimmt. Dann wird das Tempo mit „I’m In Hate“ von der aktuellen Veröffentlichung um mehrere Stufen heruntergeschraubt – genauso wie die Nacken der Banger zu diesem Stampfer vor dem Herrn. Dieser Bruch gilt aber nur als kleine Unterbrechung, bevor der Circle Pit zum vermutlich beliebtesten Groove-Bolzen „I Know Them“ entfacht wird. Mit dem „Jumpdafuckup“-schwangeren „Never Should“ wird der letzte Song vor der größten Überraschung des Abends gespielt.
Für einen kurzen Augenblick verschwindet die Band von ihrer Spielfläche und Zoli erscheint mit einem Barhocker und einer umgehängten Akustik-Gitarre vor dem zunächst verwunderten Publikum. Ein live vorgetragenes Experiment mit dem niemand gerechnet hätte beginnt: Ektomorf goes acoustic!
Mit dem Soundgarden-Cover „Rusty Cage“ als perfekten Einstieg um die Leute an die neue Situation zu gewöhnen, werden die Halb-Akustik Songs „Who Can I Trust“ und „Sea Of Misery“ mit dezenter Unterstützung der anderen Bandmitglieder vorgeführt und zeigen: Diese Jungs wollen und vor allem können auch anders!
Dieses Intermezzo war aber nur ein Einschub in dem die Fans Luft holen konnten, um dann zu den altbekannten Prüglern ála „I Choke“, „Fuck You All“ und „Set Me Free“, die Sprunggelenke zum reißen zu bringen und den Schweiß in Strömen an fremden Körpern abzuwischen. Auf die letzten Meter werden noch die Perlen „Stigmatized“ und „God Will Cut You Down“ aus „Redemption“(2010) ausgepackt, bevor es mit „Outcast“ in die Vollen geht.
Als Rausschmeißer dient das im Original mit Danko Jones eingespielte „The One“. Dieser punkig angehauchte Song zehrt die letzten Reserven der Fans aus und entlässt sie entweder zufrieden in die kalte Nacht oder bei Bedarf in die Aftershow-Party, eine Tür weiter.
Ektomorf haben exakt das geliefert was von ihren Anhängern erwartet wurde, ohne sich für ihre Kritiker, die ihnen immer wieder vorwerfen sich selbst zu kopieren, zu verbiegen. Das Akustik-Set war sowohl eine gelungene Überraschung als auch eine schöne Abwechslung, die ihre Grundprinzipien aber nicht verrät. Zudem legten die Jungs eine Spielfreude an den Tag, die anderen Bands die weniger Jahre existieren, schon nach kurzer Zeit zu fehlen scheint. Außerdem stellt Michael „Mike“ Ranke als Tourgitarrist einen ausgezeichneten, zumindest vorübergehenden, Ersatz für Tamás dar. Er wirkte auf der Bühne zunächst etwas nervös, fügte sich aber recht schnell ein und taute von Song zu Song immer mehr auf. Ich wäre nicht überrascht wenn er einen festen Platz kriegen würde.
Die Jungs um Zoli Farkas, Szabi Murvai und Gergely Tarin haben wieder ein mal bewiesen das sie nicht abzuschreiben sind und zu den wichtigsten Groove-Kapellen gehören die Europa aktuell zu bieten hat. Man darf sich auf das nächste Mal freuen!

Die Setlist von Ektomorf:

Last Fight
Stay Away
Redemption
Gypsy
Show Your Fist
I’m In Hate
I Know Them
Never Should

Rusty Cage
Sea Of My Misery
Who Can I Trust

I Choke
We Rise
Fuck You All
Set Me Free
Sitgmatized
God Will Cut Your Down
Outcast

The One

Igor Barkan

 

Photos: N.W.

[cincopa AQNA4eqH8zqF]


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