Holiday on Ice „Believe“ Tour in der Festhalle Frankfurt 2016

Holiday on Ice in Frankfurt am Main

Gerade noch rechtzeitig komme ich in der Frankfurter Festhalle an, während eine eingespielte Stimme dramatisch von 10 auf Null herunterzählt. Für das ultimative Showereignis des Abends haben die Veranstalter sogar noch den guten roten Filzteppich im Innenraum ausgerollt. Geil! Hoffnungsvoll freue ich mich auf ein bisschen Las Vegas in der Mainmetropole. Mit mir freuen sich heute Abend übrigens rund 2500 ältere Damen und Herren. Und dann geht’s los.
Die fesselnde Story einer verbotenen Liebe zweier Menschen aus verschiedenen Welten zieht das Publikum von der ersten bis zur letzten Szene in seinen Bann.“ So steht es zumindest in der Pressemappe von Holiday on Ice. Ein großes Versprechen, das uns bestimmt auch Sylvie Meis gegeben hätte, wäre sie denn nur selbst erschienen. Stattdessen kommt die Stimme vom Band, die man ja schon im TV nur sehr schwer versteht. Wer die Festhalle in Frankfurt kennt, der weiß um die sehr schwierige akustische Situation bescheid. Jeder Ton, jedes Wort, wird gnadenlos von der Kuppel geschluckt bzw. in den ‚Zahnzwitschenräumen‘ von Sylvie Meis.

Ich beschließe also einfach nicht mehr hinzuhören und versuche einfach das, was da vor mir passiert, zu verstehen. Eine Gruppe durchtrainierter Männer osteuropäischer Herkunft bewegt sich auf Schlittschuhen zur Musik. Dabei schwingen sie große Vorschlaghammer im Takt, Gestikulieren wie wild, machen Liegestütz und Funken sprühen, weil einer mit der Kreissäge ‚performt‘. Die Funken wollen übrigens in den ersten 30 Minuten nicht so richtig überspringen, habe ich das Gefühl. Viel mehr liegt eine leichte Fremdschämatmospheäre in der Luft. Man kann nicht hin- aber auch nicht wegschauen. Mittlerweile habe ich mir die Handlung zusammengereimt.

Wir befinden uns in einem Stahl-Schmelzwerk in der ‚Unterwelt‘, wo es ja so heiß ist, dass logischerweise der Boden zu Eis gefriert. Bei der Show an sich geht es aber nicht nur um die Stahlarbeiter, sondern auch um die ‚böse‘ Oberschicht, welche sich in grauenhaften 70er Kostümen um Kopf und Kragen tanzt. Sie können sich nun denken mit welcher Partei sich die Frankfurter-Schlippsträger eher identifizieren können. Mittendrin eine Liebesgeschichte, von einem reichen Mädchen, dass einen armen Stahlarbeiter liebt und zwischendrin ein grimmiger „Boss“, der allen Beteiligten das vermeintliche Happy-End vermiesen möchte und sagt, dass das alles so nicht funktioniert. Ein bisschen wie Romeo und Julia, nur viel kitschiger. Und das muss man ja auch erstmal hinbekommen.

Eigentlich bin ich gar nicht wegen den osteuropäischen Stahlarbeitern hier (die sich ja alle sehr viel Mühe geben), sondern wegen Nica & Joe. Dieses Pop-Klassik Duo ist nämlich als Special Guest bei den Shows dabei, um den ein oder anderen Part durch live performte Songs aufzupeppen, Gott sei Dank! Denn erst als der US-amerikanische Sänger die Bühne betritt und mit seiner markanten Stimme einsetzt, wacht die zu 1/4 gefüllte Festhalle auf – und beschert dem Sänger einen großen Szenenapplaus. Im weiteren Verlauf der Holiday on Ice Show treten Nica & Joe dann noch weitere Male und gemeinsam auf, mit vollem Einsatz. Nicht nur weil bei der Sängerin offensichtlich demnächst Nachwuchs in’s Haus steht, sondern auch weil Joe, trotz Stimmbandentzündung (wie ich im Nachhinein erfahren habe), die Festhalle rockt.

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Dann plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Beim obligatorischen Helene-Fischer-Moment ‚fliegen‘ die beiden Hauptdarsteller durch die Festhalle (siehe Beweisfoto) und zum großen Finale kommt nochmal Sylvie Meis: „Und wer an Liebe glaubt, den kann nichts mehr aufhalten – Believe“. Diese Worte ausgerechnet von der Frau zu hören, die die Namen ihrer Liebhaber möglicherweise nicht mehr voneinander trennen kann, treiben mir und den 2500 Zuschauern fast Tränen in die Augen. Ja wir glauben fest daran. Sylvie hat Liebe für uns alle – Auf einmal kommt CHER mit ihrem Hitsong „Believe“. Das ist der Moment, wo wir alle aus unseren Stühlen aufspringen, mitsingen, uns die Hände reichen und die frohe Botschaft in die Welt hinaustragen müssten.. Aber Cher kommt nur vom Band, genau wie Sylvie. Alle Tänzer versammeln sich auf der Eisfläche. Der Applaus verhalten. Nur für Nica & Joe gibt es großen Jubel, für eine grandiose Leistung, zurecht.

holiday on ice frankfurt

Ich beschließe relativ schnell die Festhalle zu verlassen und meinen jugendlichen Vorsprung auszunutzen. Am Ausgang begegnet mir ein Mann mittleren Alters, der mich fragt, ob es mir denn gefallen hat. Wahrscheinlich holte er seine Eltern ab, welchen er die Karte womöglich zu Weihnachten geschenkt hatte. Aus Höflichkeit antworte ich daher mit „sehr schön.“ Voller Elan öffne ich die Schwingtüren nach draußen. Mich kann jetzt nichts mehr aufhalten. Danke Sylvie.

(c) fotos: stage entertainment/holiday on ice


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